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Position Deutschland

Ehrenamt – Positionen – Diakonie Baden

Leitlinien bürgerschaftlichen Engagements

Die folgende Position stammt aus der Veröffentlichung „Bürgerschaftliches Engagement als Aufgabe der Freien Wohlfahrtspflege, Berlin, Dezember 2013“ der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege, zu der die Arbeiterwohlfahrt, der Deutsche Caritasverband, der Paritätische Gesamtverband, die Diakonie Deutschland, das Deutsche Rote Kreuz und der Zentralverband der Juden in Deutschland gehören.

Weiterführende Informationen hier finden Sie hier: www.bagfw.de

 

Grundprinzipien und Zielvorstellungen

Gemeinsame Grundprinzipien und Zielvorstellungen prägen unser Leitbild, nach dem wir bürgerschaftliches Engagement und unsere Engagementpolitik ausrichten. Auf dieser Grundlage stehen wir für:

Gewährleistung von Grundrechten

Bürgerschaftliches Engagement ist eine unentbehrliche Grundlage des Zusammenlebens in unserer Gesellschaft. Die Übernahme von Verantwortung für sich selbst und andere, das Mitgestalten der Demokratie und das solidarische Miteinander in der gegenseitigen Sorge füreinander bilden einen wesentlichen Beitrag zur sozialen Kohäsion.
Die Zivilgesellschaft basiert auf individuellen und kollektiven Freiheitsrechten, die sowohl Abwehrrechte gegen den Staat als auch Teilhaberechte begründen. Im Sinne der Eröffnung von Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilhabe und Inklusion ist bürgerschaftliches Engagement daher als ein Grundrecht zu verstehen, das allen zu ermöglichen ist.

Bewahrung von Eigensinn und Freiwilligkeit

Bürgerschaftliches Engagement in den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege organisiert sich grundsätzlich von der Basis aus und kann nicht „von oben“ verordnet werden. Es stiftet einen eigenen Sinn und verfolgt eigene Zwecke. Weil Bürgerinnen und Bürger heute oft zeitlich befristet, selbstbestimmt, sinnstiftend und eigenverantwortlich tätig sein wollen, begegnen wir diesen Bedarfen mit veränderten Angeboten.

Bürgerschaftliches Engagement in den Verbänden der Freien Wohlfahrtspflege ist vom Grundsatz her bestimmt durch die Prinzipien der Freiwilligkeit und Unentgeltlichkeit. Bürgerschaftliches Engagement darf nicht auf seinen vordergründigen gesellschaftlichen Nutzen reduziert werden und steht einer staatlichen Instrumentalisierung entgegen, mit der notwendige sozialstaatliche Leistungen ersetzt werden sollen.

Etablierung einer Ermöglichungskultur

Ziel von Engagementpolitik muss die Ermöglichung des Engagements in seiner Vielfalt sein, nicht seine Steuerung. Innerhalb der Freien Wohlfahrtspflege stehen unterschiedliche Formen und Kulturen des Engagements gleichberechtigt nebeneinander. Sie sind durch gemeinsame Überzeugungen und Ziele verbunden. Wir fordern und schaffen eine Ermöglichungskultur, die im Engagement Räume für Beteiligung und für Neues öffnet.

Stärkung von Selbstverantwortung und Selbstbefähigung

Demokratie basiert auf einer aktiven Zivilgesellschaft. Die Verbände sind Organisationen der Zivilgesellschaft und organisieren diese mit. Die Wahrung der Subsidiarität als Vorrang des Handelns der freien Individuen und Initiativen vor dem staatlichen Handeln ist einer der wesentlichen Ausgangspunkte bürgerschaftlichen Engagements.

Organisation von Gemeinsinn und sozialem Zusammenhalt

Wir ermöglichen den Bürgerinnen und Bürgern in unseren historisch gewachsenen Organisationsformen die Teilhabe in drei wesentlichen Bereichen: soziales Handeln, politische Verantwortung und wirtschaftliche Beteiligung. Damit leisten wir einen unverzichtbaren Beitrag zum sozialen Zusammenhalt.

Gestaltung des Gemeinwesens

Mit unserer Verankerung vor Ort, unserem Netz von Dienstleistungen und den Unterstützungsangeboten für engagierte Bürgerinnen und Bürger schaffen wir gute Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement und Selbsthilfe. Die Freie Wohlfahrtspflege bietet ein Fundament für das Engagement im Gemeinwesen und vernetzt aktive Bürgerinnen und Bürger. Dabei haben wir auch das Ziel, Freiräume jenseits von Marktlogik und staatlicher Einflussnahme zu bewahren.

Stärkung zivilgesellschaftlicher Kooperationen und Vernetzung

Bei der Entwicklung von Formen und Modellen bürgerschaftlichen Engagements kooperieren die Verbände auf vielen Ebenen insbesondere mit lokalen Vereinen und Initiativen, Kirchengemeinden und religiösen Gemeinschaften, Migrantenorganisationen, Kulturvereinigungen, Sport- und Umweltverbänden und Unternehmen. Hier hat sich vielerorts ein intensiver Erfahrungsaustausch entwickelt.

Globales Lernen ermöglichen

Europäische Prozesse, internationale Zusammenarbeit in den Verbänden und Globalisierung führen dazu, dass wir Engagement auch über den lokalen und nationalen Kontext hinaus betrachten und ermöglichen wollen. Austauschprogramme insbesondere im Jugendbereich, Engagement im Rahmen internationaler Hilfe oder auch die Entwicklung einer europäischen Zivilgesellschaft sind wesentliche Aspekte. Austausch, Kooperation und Vernetzung führen zu Innovationen durch neue Engagementformen, Handlungsfelder und Zielgruppen.

 

Position der Diakonie Deutschland

Das Diakonische Werk Deutschland hat im Rahmen einer repräsentativen Studie zum Thema „Freiwilliges Engagement“ folgende Position veröffentlicht:

Freiwilliges Engagement ist aus diakonischen Diensten und Einrichtungen nicht wegzudenken. Das christliche Menschenbild ist wesentlich vom Gedanken der Freiheit geprägt: Zur Freiheit hat uns Christus befreit (Galater 5,1). Menschen, die sich freiwillig in der Diakonie engagieren, leben diese Freiheit, indem sie Gestalterinnen und Gestalter von Solidarität und Gerechtigkeit im Gemeinwesen sind.

In Anlehnung an das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit zur Förderung der aktiven Bürgerschaft 2011 hatte das Diakonische Werk der EKD das Thema „Freiwilliges Engagement“ zu seinem Jahresthema 2011 gewählt. Ziel war es zum einen, die Vielfalt Freiwilligen Engagements in der Diakonie sichtbar zu machen, zum anderen die Beteiligung von Interessierten an Freiwilligentätigkeiten und aktiver Bürgerschaft zu erhöhen. (aus: Freiwilliges Engagement in Einrichtungen und Diensten der Diakonie – Eine repräsentative Studie 04/2012)

Die gesamte Studie finden Sie in der Bibliothek der Website unter dem Themenschwerpunkt Ehrenamt.