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Erfahrungsberichte Italien

Ehrenamt – Erfahrungsberichte

Berthin Nzonza stammt aus dem Kongo Brazzaville, er ist nun anerkannter Flüchtling in Italien und Vorsitzender des Vereines Mosaico – Aktion für Flüchtlinge.

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Berthin Nzonza, Kongo

„Ich komme aus der kongolesischen Republik, habe aber seit 2002 die Asylanerkennung in Italien. Ich wohne in Turin, wo ich an dem Gesellschaftsleben teilnehme. 2013 habe ich mich in Italien einbürgern lassen. Ich bin Gründungsmitglied und Vorsitzender von MOSAICO, einem unpolitischen und parteilosen ehrenamtlichen Verein, der 2007 aus der Anregung einiger Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern gegründet wurde. Heutzutage nehmen dort Flüchtlinge und italienische oder ausländische Migranten teil, bzw. Personen, die in diesem Bereich irgendwie arbeiten oder daran interessiert sind.

In Italien hat sich mein Interesse für das Thema entwickelt, als ich im ökumenischen Begegnungszentrum von Agape (Prali, Torino) aufgenommen wurde. Dort habe ich eine Welt entdeckt, aus der ich viel Hoffnung geschöpft habe, nachdem ich mich mit der europäischen Gesellschaft durch die äußersten Erfahrungen konfrontiert hatte. Mehrere Nächte hatte ich nämlich auf den Straßen oder in Schlafsälen verbracht, ohne schlafen zu können. In meinem Leben ist die Hoffnung ein Mittel und ein Reisekamerad in einer Welt geworden, in der menschliche Beziehungen komplexer und undurchsichtiger geworden sind. Nun möchte ich diese Hoffnung mit den Leuten teilen, die die mutige Entscheidung getroffen haben, alles zu verlassen, um vor Gewalt und Verfolgung zu flüchten.

Momentan arbeite ich im Bereich der interkulturellen Mediation. Lange habe ich bei der Flüchtlingsberatungsstelle der Stadt Turin mitgearbeitet und später auch bei der Arbeitsagentur von Ciriè und Turin. Außerdem habe ich mich innerhalb der waldensischen Kirche beschäftigt: ich bin nämlich aktiv bei dem „Servizio Migranti e Rifugiati“ (Dienst für Migranten und Flüchtlinge) und nehme an institutionellen Treffen teil. In der letzten Zeit habe ich mich auf die Arbeit mit sonderbedürftigen Flüchtlingen spezialisiert und habe bei Hilfs-, Begleitungs- und Eingliederungsprojekten des „Frantz Fanon Zentrum“ mitgemacht.“

Berthin Nzonza

Gyopàrka Lenk ist Ungarin und eine EVS-Freiwillige in einem Projekt mit Flüchtlingen und Asylbewerbern in Italien.

“Schau auf die Welt mit barmherzigen Augen, denn was du auf der Oberfläche siehst, ist nur eine dünne Schicht, eine Maske oder ein Schirm. Um mehr zu sehen, als das Auge antrifft, liebe und richte nicht.” (Andràs Simon)

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Gyopàrka Lenk, Ungarn

Zum ersten Mal traf ich auf das Programm eines Ökumenischen Diakonischen Jahres während meiner Zeit an der Hochschule in Ungarn. Ich war mir sicher, dass ich anderen helfen wollte, einige Jahre später fühlte ich, dass diese Überzeugung sogar noch stärker geworden war. Aber als ich das entschied, konnte ich nicht wissen, dass ich eine Gelegenheit haben würde, zu sehen, wie die Arbeit mit Flüchtlingen funktioniert. Nun bin ich eine European Volontary Service (EVS)-Freiwillige bei der Diaconia Valdese in Torre Pellice (Turin, Italien) für elf Monate, und ich arbeite in einem Projekt mit Flüchtlingen und Asylbewerbern mit. In Ungarn wissen die meisten Leute nicht sehr viel über Flüchtlinge. Die meiste Zeit über hören wir schlechte oder falsche Nachrichten, die nur einen kleinen Teil der Wahrheit zeigen. Ich mag wirklich dieses Zitat von Andràs Simon, weil wir die Dinge mit “barmherzigen Augen” sehen müssen: Sehr oft erscheinen die Dinge auf den ersten Blick in einer anderen Weise. Du musst nicht nur SCHAUEN, du musst auch SEHEN! Diese Worte sollten von jeder Person an jedem Tag ihres Lebens erinnert werden, unabhängig von Hautfarbe, politischer Einstellung und irgendwelchen anderen Unterschieden.

Während eines der MIEU-Projekte hier in Turin sahen wir Dokumentarfilme über Flüchtlinge an. Ich erinnere mich ganz klar, als ich den Film “Come un uomo sulla terra” von Andrea Segre und Dagmawi Yimer anschaute, war da ein Moment, in dem ich mir klar wurde, wie qualvoll und hart deren Leben ist. Wir konnten den furchtbaren Weg vom afrikanischen Kriegsschauplatz nach Italien zurückverfolgen, ohne Wasser und in völliger Verzweiflung. Sie sprachen über die nicht erfolgreichen Fluchtversuche, und die Gewalt gegenüber den Frauen in den afrikanischen Camps. Dieses Leben war ein einziges Torkeln, und ich begann, das Leben der Flüchtlinge in einer klareren Weise zu sehen.

Es ist eine gute Sache, dass ich ihr Leben hier in Italien sehen und unterstützen kann. Als ich mich zum ersten Mal mit den Flüchtlingen traf, schrieben wir Lebensläufe für sie und ich hörte viele Lebensgeschichten. Ich habe von Tag zu Tag gesehen, dass der Sozialarbeiter und der Mediator sehr viel Ausdauer und Geduld haben, und sie haben sehr viel Energie, um ihnen bei der Arbeitssuche in Italien zu helfen. Ich bin wirklich dankbar, dass ich einen kleinen Teil von dieser Art von Arbeit bekommen habe.

Die Leute müssen viele Dinge bezüglich des Respekts für verschiedene Kulturen lernen und versuchen, kulturelle Gewohnheiten anzuerkennen. Es ist nicht wichtig, ob jemand in der Rolle des Bewohners und damit Gastgebers oder des Ankommenden ist, denn die Hauptsache ist nicht zu richten, sondern barmherzige Aufnahme.

Gyopàrka Lenk